Ein Irischer Sänger

Ich kannte den irischen Sänger und ‚Songwriter‘ Dominic Behan bislang nicht. Aber ich kenne die Werke seines Bruders Brendan Behan, der ein bedeutender Dramatiker und Schriftsteller gewesen ist. Und ich kenne die irische Folk-Gruppe ‚The Dubliners‘, deren Musik ich stets aufs Neue mit großem Vergnügen höre. Der Name ‚Behan‘ kam mir auf der CD „The Dubliners with Luke Kelly“ im Zusammenhang mit dem Titel eines Liedes unter: „McAlpines Fusiliers Behan“ steht dort auf dem Booklett. Das klingt sehr nach Kampf, Krieg, Soldaten und Rebellen. Und weil ich wußte, daß Brendan Behan ein IRA-Aktivist gewesen ist, vermutete ich hier zunächst einen Zusammenhang. Beim Anhören – gleich in der ersten Strophe – sieht man vor seinem geistigen Auge eine Rotte von Rebellen mit markigem Gesang in den Kampf ziehen. 
Beim zweiten Anhören jedoch entgeht auch dem im Englischen Ungeübten nicht, daß in dem Lied zwar von Füsilieren, also von Schützen, die Rede ist, aber auch von Betontreppen, harter Arbeit, Staudämmen, massenhaft Bier und brutalen Polieren. Also beschäftigte ich mich damit.

Als Groß-Britannien 1939 in den Krieg gegen Deutschland eintrat, mußten die meisten jungen Männer Soldat werden. Es fehlte an Arbeitskräften. Um strategisch wichtige Bauten wie Staudämme, Straßen, Kraftwerke usw. fertigstellen zu können, rekrutierte man Arbeiter aus der Republik Irland, denn die war nicht mit Deutschland im Krieg. Sie wurden gegen ein Handgeld angeworben, gingen nach England und übernahmen die Jobs ihrer britischen Kollegen. Einer der berüchtigsten Anwerber war ein gewisser Colonel McAlpine, Bauunternehmer, der zwar alle seine Leute mit Vor- und Nachnamen kannte, der aber auch für seine große Härte bekannt war. Und weil er die wilde Bande versoffener Irischer Hucker glaubte mit militärischer Diszipin beherrschen zu müssen, nannten sich seine Kolonnen eben „McAlpines Schützen“.

Dominic Behan (1928 – 1989), ebenfalls IRA-Aktivist, hörte die Geschichten über den ‚Arbeitseinsatz‘ der Iren in Britannien von Verwandten in den 50er Jahren, und er machte ein Lied daraus, das ich versucht habe, ins Deutsche zu übertragen. Hier zunächst der Originaltext:

McAlpine’s Fusiliers
===============

(By Dominic Behan)

(Spoken:)
‚Twas in the year of ‚thirty-nine
When the sky was full of lead
When Hitler was heading for Poland
And Paddy, for Holyhead
Come all you pincher laddies
And you long-distance men
Don’t ever work for McAlpine
For Wimpey, or John Laing
You’ll stand behind a mixer
And your skin is turned to tan
And they’ll say, Good on you, Paddy
With your boat-fare in your hand
The craic was good in Cricklewood
And they wouldn’t leave the Crown
With glasses flying and Biddy’s crying
‚Cause Paddy was going to town
Oh mother dear, I’m over here
And I’m never coming back
What keeps me here is the reek o‘ beer
The ladies and the craic
I come from county Kerry
The land of eggs and bacon
And if you think I’ll eat your fish ’n‘ chips
Oh dear then you’re mistaken

(sung)
As down the glen came McAlpine’s men
With their shovels slung behind them
‚Twas in the pub they drank the sub
And out in the spike you’ll find them
They sweated blood and they washed down mud
With pints and quarts of beer
And now we’re on the road again
With McAlpine’s fusiliers

I stripped to the skin with the Darky Finn
Way down on the Isle of Grain
With the Horseface Toole I knew the rule
No money if you stopped for rain
McAlpine’s god is a well-filled hod
Your shoulders cut to bits and seared
And woe to he went to look for tea
With McAlpine’s fusiliers

I remember the day that the Bear O’Shea
Fell into a concrete stairs
What the Horseface said when he saw him dead
It wasn’t what the rich call prayers
I’m a navvy short, was the one retort
That reached unto my ears
When the going is rough you must be tough
With McAlpine’s fusiliers

I’ve worked till the sweat it has had me beat
With Russian, Czech, and Pole
On shuttering jams up in the hydro-dams
Or underneath the Thames in a hole
I’ve grafted hard and I’ve got my cards
And many a ganger’s fist across my ears
If you pride your life don’t join, by Christ!
With McAlpine’s fusiliers

In der folgenden Aufnahme singt Dominic Behan selbst. Ich fand sie auf YouTube. Allerdings fehlt das Rezitativ.


Das Original wimmelt von englischen und irischen Slang-Ausdrücken, was die Übertragung sehr erschwerte.  Aber wozu gibts das Internet? Und hier mein Versuch, den Text ins Deutsche zu übertragen:

McAlpines Füsiliere
===============
von Dominic Behan

 (ins Deutsche übertragen von Bernd Mai)

(Rezitativ)
Es war im Jahr neununddreißig,
Der Himmel war voll von Blei,
Als Hitler Kurs auf Polen nahm
Und Paddy auf Holyhead.
Kommt alle, ihr schmalen Bürschlein,
Und ihr Männer, groß und stark!
Arbeitet niemals für McAlpine,
Für Wimpey, oder John Laing!
Ihr werdet hinter einem Mischer stehen,
Und Eure Haut wird sich dunkel färben.
Und alle werden sagen: „Gut gemacht, Paddy!“
Mit dem Heuerprämie in der Hand
War groß der Spaß in Cricklewood,
Und sie wollten die „Krone“ nicht verlassen,
Wo die Gläser flogen, und Hübsch-Biddy flennte,
Weil Paddy sie verlassen muß.
Oh, liebe Mutter, ich bin hier drüben,
Und ich komme nie zurück!
Was mich hier hält, ist der Duft von Bier,
Die Mädels und der Spaß.
Ich komme aus der Grafschaft Kerry,
Dem Land aus Eiern und Speck.
Und wenn Du denkst, ich eß’ Euer „Fish’n’chips“,
Oh, Mann, dann hast Du Dich geirrt!

(gesungen) 
McAlpines Männer kamen ins Tal herab
Die Schaufeln auf den Schultern
In der Kneipe vertranken sie den Lohn
Und jetzt liegen sie draußen im Stroh
Sie schwitzten Blut und wuschen ab den Dreck
Mit literweise Bier
Und jetzt bin ich ich wieder unterwegs
Als McAlpines Füsilier.

Mit Darkey Finn war ich splitternackt
Unten auf der Insel Grain
Mit Holzkopp Tool kannte ich die Regel wohl
Bei Regenpause gibt’s kein Geld
Nur ne gut gefüllte Schütte ist MacAlpines Glück
Deine Schultern sind zerschunden und verbrannt
Und weh’ dem, der es wagt, nach Tee zu gier’n
Bei McAlpines Füsilier’n.

Ich denk an den Tag, als O’Shea, der Bär
Die Betontreppe runterfiel, als wenns nichts wär
Was Holzkopp sagte, als er ihn leblos sah
Brachte niemandem das Beten nah
Ich bin doch bloß ein Hucker!“ war das letzte Wort
Das ich noch mitbekam
Bei dieser Schinderei mußt du hart im Nehmen sein
Bei McAlpines Füsilieren.

Ich hab’ geschuftet, bis ich erledigt war
Mit Russen, Tschechen und Pol’n
Auf Verschalungsteilen droben in den Staudämmen
Oder in nem Bohrloch unter der Themse
Ich hab’ geschuftet schwer und ich schaffte mein Soll
Und bekam die Faust des Poliers oft zu spür’n
Willst stolz du auf dein Leben schaun, verding dich niemals
Bei McAlpines Füsilier’n.

 Und hier noch mal zum Abschluß die Version der „Dubliners“:
MCAlpine’s Fusiliers

One Response to Ein Irischer Sänger

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