Aus aktuellem Anlaß: Die Völkerschlacht

„Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege. Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten Russland, Österreich, Preußen und Schweden gegen die Truppen Napoleon Bonapartes.
Mit bis zu 600.000 beteiligten Soldaten aus über einem Dutzend Völkern war dieser Kampf bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich die größte Schlacht der Weltgeschichte. In dieser wichtigsten Schlacht des Befreiungskrieges gegen die napoleonische Fremdherrschaft brachten die zahlenmäßig überlegenen verbündeten Heere … Napoleon Bonaparte die entscheidende Niederlage bei, die ihn dazu zwang, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen.
In der Schlacht wurden von den rund 600.000 beteiligten Soldaten 92.000 getötet oder verwundet.
Im Jahre 1913 – genau 100 Jahre später – wurde in Leipzig das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal fertiggestellt.“ (Wikipedia)

Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig

Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig

Das Denkmal besitzt an seiner Spitze eine Aussichtsplattform, die man über eine Treppe mit 500 Stufen oder – seit ein paar Jahren – mit einem Aufzug erreichen kann. Allerdings war der Aufzug von Anfang an Bestandteil des Projektes, man mußte nur den vorhandenen Aufzugschacht den modernen Gegebenheiten anpassen. Jeder Leipziger besteigt wenigstens zweimal im Verlaufe seines Lebens das Denkmal: Das erste Mal als Schüler und das zweite Mal, wenn er Verwandte oder gute Freunde von weit her zu Besuch hat. Ich allerdings würde meinen Gästen das Denkmal aus ästhetischen Gründen nicht zumuten wollen. Vom City-Hochhaus am Augustusplatz hat man eine viel bessere Aussicht, wenn es nur darum geht, es ist nämlich sogar 130 Meter hoch.

Dieses Jahr (2013) jährt sich die Schlacht zum 200. Mal und die Einweihung des Denkmals zum 100. Mal. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat große Pläne:

Zum 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht zeigt der MDR das modernste Geschichtsformat im deutschen Fernsehen. Nach dem Vorbild tagesaktueller Nachrichten und Brennpunktsendungen aus Krisengebieten wie Syrien oder Afghanistan wird über bis dato größte Schlacht der Weltgeschichte mit Mitteln der modernen Nachrichtentechnik „live“ berichtet – so als fände sie gerade statt.“ (O-Ton MDR auf seiner Webseite)

Ich weiß nicht, welcher Teufel die Programmverantwortlichen geritten hat …
Ich werde mir das ganz bestimmt nicht antun!
Die Sachsen übrigens standen damals auf Seiten Napoleons und gehörten daher am Ende der Befreiungskriege zu den Verlierern. Das führte dazu, daß Preußen im Ergebnis des Wiener Kongresses (1815) mehr als die Hälfte des sächsischen Territoriums annektierte – die Schande jener Zeit prägt das sächsische Bewußtsein bis heute. Pfarrer Führer, der als wichtige Persönlichkeit der Wende gilt, soll vorgeschlagen haben, das monströse Bauwerk kontrolliert verfallen zu lassen. Man kann schließlich
300.000 t Beton und Granit nicht so einfach abreißen oder sprengen. Meinen Segen hat er, aber die öffentliche Meinung war wohl nicht dafür. Der Sachse ist nämlich Pragmatiker und sagt: „Nu hammer ämma das Denkmal. Un nu wollmorr ooch was dardorrvon hamm!“ (*)

Völkerschlachtdenkmal - die Wächterfiguren

Völkerschlachtdenkmal - die Wächterfiguren

Die Wächterfiguren unterhalb der Aussichtsplattform schauen traurig und ziemlich grimmig drein. Wahrscheinlich trauern sie nicht nur um die vielen toten jungen Männer, sondern auch um die zerstörten Träume von nationaler Einheit, bürgerlicher Freiheit und Demokratie, und vielleicht auch um die Gebietsverluste Sachsens. Und den grimmigen Blick haben sie wegen der architektonischen Scheußlichkeit des Denkmals. Den Touristen aber scheint es zu gefallen.
Na, lasse norr mährn!

(*) Sächsisch: „Wo wir nun einmal das Denkmal haben, wollen wir auch davon profitieren!“

© Bernd Mai Okt. 2013

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2 Responses to Aus aktuellem Anlaß: Die Völkerschlacht

  1. Rainer Kirmse says:

    Ein kleines Gedicht zur Völkerschlacht 1813:

    VÖLKERSCHLACHT

    Geschlagen in Russland die Grande Armée,
    Durch Hunger und Kälte zerrieben;
    Napoleons Träume zerronnen im Schnee,
    Ihm war nur die Flucht geblieben.

    Die Truppen rasch neu aufgestellt,
    Steh’n wieder im deutschen Lande.
    Des Krieges Vorentscheidung fällt
    Auf Sachsens herbstlichem Sande.

    Vor Leipzigs Toren steh’n die Heere,
    Bereit zur entscheidenden Schlacht;
    Geladen sind schon die Gewehre,
    Kanonen in Stellung gebracht.

    Hageldicht die Kugeln fliegen,
    Im Geschützdonner bebt die Erde;
    Darauf bald die Leichen liegen
    Inmitten gestrauchelter Pferde.

    Drei Tage währt das Ringen,
    Blutig erkämpft ist der Sieg;
    Sollte neue Hoffnung bringen
    Europa im Befreiungskrieg.

    Zwei Jahre noch vergeh’n,
    Die Heere sich bekriegen;
    Bis sie bei Waterloo steh’n,
    Napoleon besiegen.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    • Lipsiator says:

      Unglaublich, nicht wahr?
      Ich habe mich trotzdem entschlossen, dieses „Kommentargedicht“ zuzulassen. Schließlich freut man sich über jeden ernst gemeinten Beitrag, es gibt ja so viel Spam! Und ich will mir nicht nachsagen lassen, ich wäre ein überheblicher Ignorant.

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