Was pfiffige Köpfe dazu sagen

„Bildung kommt von Bildschirm. Wenn es von Buch käme, hieße es Buchung.“

Dieter Hildebrandt
(* 1927; deutscher Kabarettist)

 

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Noch ein Witz aus Leipzig

Anton sitzt in seiner Klasse und langweilt sich. Ein Blick auf die Uhr der Peterskirche macht es nicht besser. Es ist die letzte Stunde. Sie haben Deutsch, und statt von Antons Lieblingsfeindin, Fräulein Irion, werden sie von einer jungen Praktikantin unterrichtet. Es ist das Jahr 1961, und in Angola kämpft die sozialistisch ausgerichtete MPLA gegen die Kolonialmacht Portugal. Die eifrige junge Frau will politisch aktuell sein. Sie erzählt den Schülern in verkürzter Form, was man ihr gestern im Parteilehrjahr beigebracht hat.
So, liebe Kinder“, sagt sie. „Und jetzt bilden wir einen Satz mit ‚Angola‘!“

Anton hat „Atomvulkan Golkonda“ von den Brüdern Strugazki, ein 35-Pfennig-Heft, aus der Tasche gezogen und schmökert unter der Bank. Ab und zu hebt er den Kopf, um nicht den Faden zu verlieren. Die Klasse schweigt. Dann meldet sich Michael Schulz, der Klassenprimus. Er tut es, wie immer, mit ausgestreckter flacher Hand, das hat er wohl in einem sowjetischen Film gesehen.
In Angola kämpft das Proletariat gegen den Weltimperialismus“, sagt er.
Dann meldet sich Brigitte Marx. Sie ist die erklärte Rivalin von Michael Schulz, und sie will ihn ausstechen.
Das afrikanische Land Angola ist reich an Bodenschätzen.“
Ihre Nachbarin Angelika Sander grinst und schweigt.
Anton hat mal wieder kurz aufgeschaut, und sein Blick und der Blick der Praktikantin treffen sich zufällig. Sie sucht im Klassenspiegel, findet Antons Namen und sagt: „Bitte, Anton, jetzt Du.“
Anton schiebt das Heft unter die Bank und steht langsam auf. Er will eigentlich gar nichts sagen, und sein Kopf ist leer.
Angola!“ zischt sein Nachbar Günter Zemanek hinter vorgehaltener Hand. „Een Sadds mit Angola, Mensch!“
Fräulein Irion würde jetzt durch die Bankreihen gehen, sich Anton von hinten nähern und einen Blick unter Antons Bank werfen. Aber die unerfahrene Studentin tut nichts dergleichen. Sie wartet auf Antons Satz.
Anton tut, als würde er angestrengt nachdenken.
Äh“, sagt er. Und noch einmal: „Äh …“
Und dann hört er sich sagen: „An Gola gännd’sch mich doodsaufen.“

* * *

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Ein Witz aus Leipzig

Leipziger Messe in den 50er Jahren. Ein Amerikaner betritt eine Drogerie in der Leipziger Innenstadt, gleich neben dem Hansa-Messehaus. Er versteht kein Deutsch, und er will Seife kaufen.
„I want to buy some soape, please.“
Die Verkäuferin, ein hübsches junges Ding aus Leipzig-Connewitz, versteht ihn nicht.
„Was wollnse?“ Sie schaut ihn fragend an, macht einen Schritt beiseite und weist auf die leidlich gefüllten Regale. Zahnpasta, Seife, Mux, Waschlappen, Schuhcreme, alles da, nur keine Zellstofftaschentücher.
Der Amerikaner sieht das Fach, in dem die Seifenstücke liegen, weist darauf und sagt: „One piece of that. A cake of soape, please!“ Er wird langsam ungeduldig, so etwa ist er nicht gewöhnt.
Das junge Mädchen greift nach einem Stück Fichtennadelseife, die wird gerne genommen, und knallt sie auf den Ladentisch.


Der Amerikaner wird ärgerlich, bleibt aber höflich.
„How much is it, please?“ fragt er.
„Hä?“
Der Ami hat eine Idee. Er zieht eine Rolle Dollarnoten aus der Tasche und wedelt damit herum.
Das Mädchen begreift.
„Machd finf’nferz’sch Fennsche“, sagt sie.
„What?“
Das Mäuschen hinter dem Ladentisch verdreht die Augen. Dann hat sie einen lichten Moment. Sie nimmt ein Stück Papier, schreibt groß und deutlich „45 Fennige“ drauf und hält dem Mann das Papier unter die Nase.
„Oh“, sagt der. „Forty-five!“
„Nu gloar. Abber forr’s Gesichde gennses ooch nähm …“

* * *

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In der Wand

Das sachsen-anhaltische Städtchen Löbejün (Wettin-Löbejün, wenige Kilometer nördlich von Halle/Saale) ist wegen dreier Fakten bekannt:
– Sie ist die Geburtsstadt des Balladenkomponisten Carl Loewe *,
– sie hat an der A 14 eine Autobahnabfahrt und
– in ihren Gemarkungen wurde und wird der Löbejüner Porphyr abgebaut.
Wenn man von Löbejün über Merbitz und Nauendorf zur B 6 oder zur A 14 fährt und kurz hinter dem Ortsausgangsschild nach rechts in einen Feldweg einbiegt, kommt man zu einem kleinen Parkplatz. Man ist auf dem Gipfel eines Hügels, und wenn man ein paar schritte weitergeht, bietet sich dieser Anblick:

Blick vom Aussichtspunkt auf den aufgelassenen Steinbruch

Das ist der „Aktienbruch“, ein aufgelassener Steinbruch, in dem früher der berühmte Löbejüner Porphyr abgebaut wurde. Wenige Meter weiter befindet sich ein weiterer Steinbruch, der nach wie vor in Betrieb ist.
Das Wetter war schön, und ich war auf dem Heimweg. Ich hatte die Kamera dabei, und mein kleiner Abstecher sollte sich lohnen.


Ich höre Stimmen, und jetzt ist klar, daß der Kletterer keineswegs allein ist, er hat jemanden dabei, der ihn sichert. Na, wenigstens war er nicht leichtsinniger als unbedingt nötig.
Die letzten paar Meter seines Abstiegs habe ich gefilmt:

Und hier geht’s zum Video „In der Wand“

Wahren wir die Tradition und schauen wir, was kluge Köpfe dazu sagen. Die folgenden beiden Sprüche werden Wolfgang Güllich zugeschrieben. Der deutsche Sportkletterer wurde 1960 geboren und kam 1992 durch einen Autounfall ums Leben. Er ist heute eine Kletterlegende und sein Grab in Obertrubach eine Wallfahrtstätte.

„Pessimistisch gesehen wird beim einfingrigen Klimmzug der Finger sehr stark belastet. Optimistisch gesehen werden dabei die restlichen 9 Finger geschont.“

„Der wichtigste Muskel beim Klettern ist das Hirn.“

Wahrscheinlich hatte er recht …

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* Carl Loewe, 1796 – 1869, deutscher Komponist; vertonte mit Vorliebe
    die Balladen der deutschen Klassiker, z. B. Goethes „Erlkönig“

(c) 2013 Bernd Mai

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Anton kocht – Heute: Zwiebelsuppe

Anton will Bettina zum Abendessen wieder etwas Besonderes bieten. Dunkel erinnert er sich daran, daß er als junger Mann seinen Gästen einst Zwiebelsuppe vorgesetzt hatte, die sehr gelobt worden ist. Viel später, Anton war schon ein reifer Mann und seine Kinder bereits erwachsen, setzte er seinen Gästen ebenfalls Zwiebelsuppe vor. Die jedoch kam gar nicht gut an. Das hat Anton gewurmt, und die Mäkelei seiner Gäste saß wie ein Stachel in seinem Selbstbewußtsein.
Der Gast, der seine Suppe nicht gemocht hatte, ist vergessen. Anton erinnert sich kaum daran, wie er ausgesehen hat, und die Umstände der Bewirtung sind in seiner Erinnerung nur noch undeutliche Schemen. Aber die Kränkung nagt bis heute an seinem Ego …

Anton beschließt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Er wird Bettina und sich selbst eine Freude machen, und er wird die Schmach auslöschen. Er sucht sich ein passendes Rezept aus, und er wiegt schon mal die Zwiebeln ab. Und dann macht er sich an die Arbeit …

Und hier könnt Ihr ihm dabei zuschauen!

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Anton kocht – Heute: Ofenkartoffeln

Anton hat Hunger und inspiziert seine Vorräte. Er findet ein paar Kartoffeln und im Kühlschrank ein paar Koteletts.

Ein paar Kartoffeln und einige Koteletts ...

Ihm fällt ein, daß er am Wochenende Bettina erwartet, und daß er am Sonntag große Pläne für das Mittagessen hat. Es soll – neben einem exklusiven Fleischgericht  – Ofenkartoffeln geben. Anton beschließt, eine Generalprobe  abzuhalten. Er macht nicht gerne etwas falsch.

Und hier geht’s zur Koch-Show „Ofenkartoffeln und Kotelett“.

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Das Zitat zum aktuellen Anlaß:

„Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist.“
Jean Paul (1763 – 1825; deutscher Schriftsteller)

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Kluge Köpfe gab es zu allen Zeiten

„Kleine Fehler geben wir gern zu, um den Eindruck zu erwecken, wir hätten keine großen.“
La Rochefoucauld (1630 – 1680; französischer Literat)

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Manchmal tuts auch ein kleiner Kopf …

„Wenn ein Mann will, daß seine Frau ihm zuhört, braucht er nur mit einer anderen zu reden.“

Liza Minelli (* 1946; US-amerikan. Schauspielerin)

 

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Was große Köpfe dazu sagen …

„Manche Hähne glauben, daß die Sonne ihretwegen aufgeht.“

Theodor Fontane (1819 – 1898; deutscher Schriftsteller)

 

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